Jugendring Dortmund
Verwaltungsausschuss e.V.


Jugend am Hellweg

Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit!Oder Schutz der Öffentlichkeit vor der Jugend?



- klarlegende, aufspürende und herausfordernde Thesen und Aspekte anlässlich der Situation der Jugend entlang des Hellwegs und ihrer öffentlichen Diskussion / vorgelegt zur Vollversammlung des Jugendring Dortmund am 19. März 2007- 


Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist tatsächlich straffrei 


Eine gesetzliche Bestimmung irgendwelcher Art, die vorschreibt, wann junge Menschen sich in der Öffentlichkeit aufhalten und bewegen dürfen (zum Beispiel auf Straßen, Bürgersteigen, an Bushaltestellen), existiert schlichtweg nicht! 


Die Verursacher angehen und belangen


Das Jugendschutzgesetz wendet sich an die Anbieter und Veranstalter als "Verursacher verbotener Produkte und Taten", wie beispielsweise der Verkauf von Alkoholika. Sie sind gegebenenfalls behördlich zu überprüfen und mit Auflagen oder Bußgeldern zu belegen, nicht aber Kinder und Jugendliche! 


Jugendschutz ist nicht als Instrument staatlicher Verfolgung gedacht


Jugendliche nehmen den gesetzlichen Jugendschutz, in der Regel ausgeübt durch Ordnungsamt und Polizei, zu Recht als Attacke, wenn nicht gar als Instrument des Staates zur Verfolgung und Disziplinierung der Jugend wahr! Eine solche Wahrnehmung verstärkt sich vielfach noch durch den "Ausfall" des erzieherischen Jugendschutzes, da sich dieser oftmals auf die Vermittlung der gesetzlichen Bestimmungen beschränkt. Und zwar mit der Wirkung, dass Jugendliche und nicht so sehr die an der Jugend verdienenden Anbieter und Veranstalter als "Täter" erscheinen! 


Möglichkeitsspielräume gestalten 


Jugendliche auf dem Weg, erwachsen zu werden, müssen sich entwickeln können, brauchen also Möglichkeitsspielräume (Gestaltungs- und Freiräume), in denen sie mit den Gefahren des Erwachsenenseins, wozu auch Suchtgefahren zählen, umzugehen lernen. Das Jugendschutzgesetz lässt diese Freiräume formal nicht zu. Hier muss eine abgestimmte Strategie zwischen dem gesetzlichen und dem erzieherischen Jugendschutz her, wobei dem erzieherischen Jugendschutz die Rolle zufällt, gemeinsam mit Jugendlichen und  erwachsenen (gewerblichen) Akteuren Möglichkeitsspielräume zu sehen und zu gestalten!  


Couragierte Erwachsene statt staatliche Ordnungsmacht und Gewaltsamkeit 


Die Erwachsenengesellschaft neigt mehrheitlich dazu, sich ihrer Verantwortung für  und der Auseinandersetzung mit Jugendlichen zu entziehen und anstelle dessen von den Staatsorganen die Verfolgung Jugendlicher zu verlangen. Hinzu kommt, dass schon die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Altersgruppe als ein hinreichendes Verdachtsmoment gilt! Hier paart sich kleinbürgerliches Sicherheitsdenken mit erwachsenem Größenwahn und Allmachtsphantasie! Mehr als bedenklich stimmt auch die Tatsache, dass viele Erwachsene frühzeitig oder gar voreilig nach staatlichem Handeln rufen, wenn sie sich im Umgang mit Jugendlichen mit Situationen konfrontiert sehen, die Gefühle wie unangenehm und unsicher auslösen. In diesen Fällen ist eher daran zu denken, den betroffenen Erwachsenen ein Zivilcouragetraining angedeihen zu lassen als den Jugendlichen mit Sanktionen zu drohen! Unter Umständen wären die betreffenden Jugendlichen sogar die geeigneten Trainer!!  In ihrem Ruf nach stärkerer ordnungsbehördlicher und polizeilicher Präsenz in der Öffentlichkeit, in diesem Fall gegen die Jugend gerichtet, vergisst die Erwachsenenwelt daran zu denken, dass sich auch legitimierte staatliche Gewaltsamkeit gern auszuweiten bereit ist! Stellt also der (polizeiliche) Umgang mit der Jugend den Auftakt im Umgang auch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen dar und werden wir uns - als Preis für ein Gefühl der öffentlichen Sicherheit - wieder auf stärkere Polizeipräsenz, einschließlich umfassender Videoüberwachung, einstellen müssen?  


Wider die Doppelmoral der Erwachsenengesellschaft

Wer am Freitagabend um 21.58 Uhr von der Haltestelle Kampstraße mit der Straßenbahn Richtung Wickede fährt, beobachtet bereits in der Dortmunder City (erwachsene) Menschen mit der Bierflasche in der Hand! Wer werktags gegen 9.00 Uhr am Parkhaus in der Kuckelcke entlang in die Innenstadt geht, sieht dort Bier trinkende Männer und Frauen sitzen und stehen! Spätestens in diesen Momenten spüren Jugendliche sehr wohl die gefährliche Doppelmoral unserer Gesellschaft. Noch immer ist Alkoholkonsum ein Schuldminderungsgrund bei Straftaten. Und wie sich alkoholisierte Frauen und Männer in der Öffentlichkeit und in den Medien aufführen, ist meist alles andere als vorbildlich! Trotzdem werden Jugendliche verstärkt daran gemessen, ob sie sich im alkoholisierten Zustand vernünftig benehmen. 


Für mehr Aufmerksamkeit und Fachlichkeit in Politik und Medien
Situationen wie die entlang des Hellwegs verführen manche PolitikerInnen dazu, mit öffentlich vorgetragenen und in der Regel einfach gestrickten wie fachlich fragwürdigen Maßnahmen eine schnelle Lösung herbeizuführen, wo ein tiefer gehendes und vorausschauendes Nachdenken angesagt wäre. So lassen sich vorhandene Konfrontationen meistens nicht entschärfen und Möglichkeiten, sachorientierte Lösungen zu suchen, nicht ausschöpfen. Auch ist leider davon auszugehen, dass das Interesse der Politik erlahmt, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Jugend nachlässt. Von den Reaktionsmustern seitens der Politik scheinen sich die Medien in ihrer Suche nach dem Sensationellen nicht immer grundlegend zu unterscheiden!