Jugendring Dortmund
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Zum Tod von Micha Schliesser

In der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 2018 ist Micha Schliesser in Amsterdam gestorben. Sein Sohn schreibt: „Yesterday, after smoking a last cigarette, in the presence of my sister and myself, he died peacefully in his sleep.”

Micha hat uns über viele Jahre begleitet. Mit seiner Lebensfreude und Spontanität hat er als Zeitzeuge unsere Erinnerungsarbeit bereichert.

„Für die Kinder von Westerbork“ lautet der Titel eines gemeinsamen Projektes von Jugendring und IBB. Dortmunder Jugendliche begaben sich gemeinsam mit dem „Zug der Erinnerung“ auf die Suche nach Schicksalen Dortmunder Kinder und Jugendlicher. Ihr Weg führte über das Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden. Bei einem Besuch in der dortigen Gedenkstätte lernten wir Micha Schliesser kennen. Seine Eltern, Margarete und Hermann Schliesser, flohen im Februar 1939 aus Berlin in die Niederlande. Sie hatten die vergebliche Hoffnung, von dort weiter in die USA reisen zu können. Micha war zu diesem Zeitpunkt noch kein Jahr alt und erlebte die Flucht auf den Armen seiner Mutter. In den Niederlanden kam die Familie in das Flüchtlingslager Westerbork. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde Westerbork zum Ausgangspunkt für die Deportationen in die Vernichtungslager. Micha Schliesser und seine Eltern überlebten bis zur Befreiung durch die Kanadier.

Micha war regelmäßig auf Einladung von IBB und Jugendring zu Besuch in Dortmund. Seine Geschichte gab er vielen jungen Menschen mit auf dem Weg. Er erzählte sie, um die Erinnerung wach zu halten. Es gelang ihm aber auch immer, aktuelle Bezüge herzustellen. Beeindruckend war seine Parteinahme für geflüchtete Menschen. Immer wieder stellte er Verbindungen her zwischen seiner Geschichte und dem Schicksal von Menschen, die sich heute auf die Flucht begeben.

Micha gelang es immer wieder, Menschen jeden Alters mit seiner Erzählung zu beeindrucken. Wir werden ihn sehr vermissen. Viele Dortmunder Kinder und Jugendliche durften ihm begegnen. Dafür sind wir dankbar und vertrauen darauf, dass seine Geschichte nie in Vergessenheit gerät.




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